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Zum Wein(en)

Zwei fast regenlose Sommer in Teilen von Oberhessen waren zu viel für die Weinstöcke in „unserem“ Weinberg. Nach dem trotz Trockenheit fantastischen Weinjahr 2018 fiel die Ernte der roten Dornfelder Trauben in diesem Jahr völlig aus. Verbrannt, vertrocknet!

Ein trauriger Anblick schon im Spätsommer. Kein leuchtend rotes Weinlaub. Braune, kraftlose Blätter verhießen nichts Gutes. Die Traubenansätze verloren zusehends an Saft und Kraft. Den Winzern an Rhein und Mosel geht es besser. Der tiefgründige Boden hat den Tiefwurzlern weniger Leid zugefügt. Auch das Jahr 2019 verspricht dort ein gute und saftige Ernte. 

Jetzt könnte man neidisch werden. Sind wir aber nicht. Denn wir haben noch einige Dutzend Flaschen vom Vorjahr in unserer kleinen Vinothek. Die werden jetzt gehütet wie ein Schatz, noch bedächtiger genossen. Gut, dass Wein kein Schnellgetränk ist, sondern im Alter an Qualität gewinnt. Wie schön dabei der Gedanke, dass es Menschen ähnlich gehen könnte. Das Vorhandene genießen, der Vergangenheit nicht nachtrauern, der Zukunft nicht sorgenvoll entgegenblicken.

 

Denn allem Verlust wohnt ein Neuanfang inne. Das gilt auch für den Wein. Den zehn im Frühjahr gepflanzten Reben geht es gut. Ab und zu gewässert, haben sie den Wüstensommer gut überstanden. Jetzt müssen sie noch gut drei Jahre durchhalten, um die erste Ernte zu ermöglichen. Auch die „Alten“ werden im nächsten Jahr wieder aufleben.

  

Im Wein liegt viel Symbolkraft. „Was lange währt, wird gut.“ „Es gibt Licht am Ende des Tunnels“ oder der Spruch, den meine Eltern eingerahmt hatten „Immer, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“

 

Und außerdem: Der Mensch lebt nicht vom Wein allein.

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